10.2. bis 17.2.
Zusammen mit vier jungen Frauen aus Israel, Japan und Frankreich lassen wir uns vom Adventure Store Hanmar Springs zum Te Araroa Trail zurückfahren. Wir überspringen dabei ca. 10 km, da dort der Boyle River zu furten wäre, was nicht ganz ungefährlich ist. Bei Windy Point überqueren wir den Fluss über eine beachtliche Swingbridge und steigen durch den Wald 600 Höhenmeter auf bis zur ersten Hütte, der Kiwi Lodge Hut.
Am nächsten morgen herrscht eine mystisch neblige Stimmung. Fast wunderschön, leider aber auch saukalt. Wir haben bereits nach 100 Metern nasse Füsse vom feuchten Grass und dem sumpfigen Untergrund. Der Weg bis zur Mittagsrast ist mit über 20km weit und der verwurzelte Waldboden eher beschwerlich zu begehen. Nach 6 Stunden erreichen wir müde und mit knurrenden Mägen die Hurunui Hütte. Nach Tortillias mit Käse nehmen wir den Nachmittag in Angriff. Eine Stunde später geniessen wir den direkt am Weg liegenden Hot Pool. Wir halten es nur wenige Minuten aus im über 40 Grad warmen Wasser. Statt in Cash an einem Schalter bezahlen wir hier mit Blut bei den kleinen fliegenden Tierchen. Also sofort wieder in die Kleider stürzen und weiterlaufen.
In der Nr. 3 Hut erklären uns zwei amerikanische Biologen, dass das Gekrächtse in der Nacht von den Kiwis stammt. Leider kriegen wir die seltenen Laufvögel aber nicht zu Gesicht.
Am nächsten Tag geht es weiter über eine wenig eindrückliche, aber spassig zu bewältigende Drei-Kabel-Brücke über den Cameron-Stream. Im Nebel und bei Nieselregen steigen wir danach im Wald über den Harper Pass. Die tolle Aussicht versteckt sich gekonnt im Grauen. Auf einer ausgewaschenen Stolperpiste gehts hinunter ins Tal zur Locke Stream Hut.
Nach langem hin und her beschliessen wir um 15 Uhr doch noch bis zur nächten 3 Stunden entfernten Hütte weiter zu gehen. Für den nächsten Tag ist starker Regen prognostiziert und auf dem Weiterweg einige Flussquerungen zu meistern. Dies verleit unseren bereis müden Beinen mehr Motivation. Quer durch den Fluss, über Kiesel und Steine des Bachbeetes und durch dichtes Unterholz schlagen wir uns bis zur kleine Kiwihütte durch, noch vor dem Regen. Hier verbringen wir beim trommeln der Regentropfen und einigen Blitzen und Donnerschlägen die nächsten 36 Stunden. Dan und Mary, die beiden Biologen leisten uns dabei Gesellschaft.
Nach einem ganzen Morgen und Vormittag ohne Niederschläge wagen wir uns um 13.30h die beiden Flüsse, den Taramakau und den Othehake wie in den Trailnotes beschrieben separat zu furten. Der Othehake River leistet uns dabei erbitterten Widerstand. Die kleine Sarah wird dabei im trüben, hüfttiefen, reissenden Fluss mehrmals fast umgerissen. Sie stösst an die Grenzen des Machbaren und ihrer Angst. Bei Giorgio ist das Wasser nur knietief und keinesfalls so gefährlich, ihn mitreissen zu können. Kein Wunder, er ist ja auch viel grösser, schwerer und stärker. Etwas unterkühlt gelingt es uns nach mehr als 1.5 Stunden auf die richtige Seite des Ufers zu kommen und durch den Urwald wieder auf den Track zu gelangen.
Der verwahrloste Floodtrack der dann folgt, weil man den Otirariver weiter unten unter diesen Bedingungen nicht queren kann, ist die Hölle. Er unterscheidet sich vom Gebüsch nur dadurch, dass ab und zu irgendwo ein oranges Dreieck zu sehen sein sollte. Ansonsten stellt man sich einfach Dschungel vor. Wir klettern über Bäume, unter ihnen durch, balancieren und kämpfen uns durch den dichten und oft steil abfallenden Wald. Wir verirren uns ein paar Mal und glauben schon, die Nacht in diesem Wald verbringen zu müssen. Als wir die Wiese 1km vor der Brücke erreichen, muhen uns wütende Mutterkühe entgegen. Deshalb müssen wir einen Umweg durch einen Graben in Kauf nehmen. Kurz vor dem Eindunkeln erreichen wir mit drei Stunden Verspätung und total am Ende die Morrison Footbridge. Trotz unseres bemitleidenswerten Zustandes will uns keines der wenigen Autos um diese Zeit noch nach Arthurs Pass mitnehmen. Wir schlagen also das Zelt bei der Brücke auf, knabbern ein paar Nüsschen und schlafen endlich tief und fest ein. Der prächtige nächtliche Sternenhimmel ist eine kleine Entschädigung für all die Strapazen des Tages.
Am nächsten Morgen erbarmt sich ein schottischer Kletterer und bringt uns zum Kaffee und Restaurant in Arthur's Pass Village. Dort erwartet uns die nächste unschöne Überraschung. In diesem Durchfahrtskaff ist kein Bett mehr frei. Etwas frustriert geniessen wir unser Brunch und gehen alle Möglichkeiten durch. Da ergibt sich plötzlich eine gute Gelegenheit: Ein freundlicher Rentner, der im Kaffee arbeitet, bietet uns seine Hilfe an. Er bringt uns zum Einstieg der nächsten Etappe.
Schnell ergänzen wir unser Essen um ein paar Sachen und buchen unsere Unterkunft und Transport zwei Tage später zur Lake Coleridge Lodge. Der tolle Weg über den Lagoon Sattel bei bestem Wetter und atemberaubender Sicht hat uns wieder mit dem TA versöhnt. Ein paar Jäger verkürzen unseren Fussweg noch um 4km und wir können sogar eine kleine Bachdurchquerung mit dem 4x4 Fahrzeug miterleben. In der Lodge gibt es dann endlich wieder Mal eine Dusche und frisches Essen.
17.2. bis 22.2.
Wir brauchen ein paar Tage Pause um unsere Füsse etwas zu entspannen. Die Lodge holt uns zum Glück in Harper Village, drei Häuschen, ab. Das erspart uns über 20 km Weg entlang der Strasse. Obwohl das eher eine Staubpiste ist, fetzen die einheimischen Farmer mit über 100 km/h über die Kieselsteine. Wir geniessen in der Lodge unser Bett und das feine Znacht. Toll mal nicht selber kochen und abwaschen zu müssen.
Nach zwei Nächten werden wir nach Methven gefahren. Damit können wir den mächtigen Rakaia Fluss umgehen, der zu Fuss nicht zu machen ist. In Methven bleiben wir noch drei Nächte um Giorgios schmerzendes Fussgelenk auszukurieren und Vorräte zu kaufen. Wir brauchen Lebensmittel für 7 Tage plus 2 Tage Reserve für ungeplantes wie Gewitterstürme oder andere Wettereskapaden. Bei Hitze plantschen wir noch ein wenig im Schwimmbecken rum und sprudeln im Hot-Pool. Zivilisation hat seine Vorzüge. Am 22.2. bringt uns der Schulbus um 6 Uhr morgens zum Start des Trails, über 70 km entfernt. Die Kinder haben hier einen weiten Schulweg.
22.2. bis 28.2.
Wir starten nach einer holprigen Fahrt mit dem Schulbus unter einem gewaltigen Regenbogen. Bei einer Mischung aus Nieselregen und Sonnenschein geht es hoch in die Canterbury Highlands. Für mehrere Tage wandern wir entlang von Flüssen und über nahezu unendliche Graslandebenen. Hier macht uns die Hitze etwas zu schaffen. Der Sommer ist nun definitiv angebrochen. Mit der Vorahnung von einem erneutem Wetterwechsel durchwandern wir in drei statt vier Tagen die erste Ettappe bis zum Rangitata Fluss in der Nähe des Herr der Ringe Schauplatzes Mt. Sommer. In der Potts Lodge findet am Wochenende ein Lager mit Familien einer Schulklasse statt und es ist wieder mal kein Bett für uns frei. Und auch das Restaurant ist geschlossen und der erhoffte Festschmaus bleibt aus. Wir können unser Zelt zu einem überteuerten Preis auf die Wiese neben der Lodge stellen. Die warme Dusche und das WC mit Spühlung und WC Papier schätzen wir trotzdem sehr. Am nächsten Tag umfahren wir den Rangitata mit Alps 2 Ocean. Unser Fahrer, ein Teilzeitbauer, fährt uns in 2h die rund 140 km zur Brücke und auf der anderen Seite des Stroms wieder hoch. Am Strassenrand grassen tausende von Kühen, Schafen und Wild. Als er kurz an einer Tankstelle Halt macht, nutzen wir die Gelegenheit und besorgen uns einen richtigen Kaffee und ein Kalorienbombenmuffin. Die Verkäuferin fagt uns neugierig weshalb wir so strahlen. So einfach sind wir zur Zeit glücklich zu machen
Auf der anderen Seite des Flusses starten wir erst am späten Nachmittag. Der Respekt von Sarah vor erneut schwierigen Flussüberquerungen und die Wegbeschreibung führen uns hier einen rutschigen Hang hoch und wieder runter. Ausrutschen verboten! Im Nachhinein wäre der Weg durch den Fluss wahrscheinlich die bessere Wahl gewesen. Wir trudeln erst um 19h bei der Crooked Spur Hut ein, die wie erwartet bereits voll ist. Wir gesellen uns also zu den anderen Zelten, die schon bei der Hütte stehen. In der Nacht werden wir richtig dick eingenebelt. Der Nebel ist so dicht, dass der 20 Meter weite Gang zur Toilette und zurück zum Zelt nur noch schwer zu finden ist. Die nächste Hütte ist die Royal Hut. Sie wurde ehemals durch Prinz Charles und seither jede Nacht von der königlichen Maus beehrt. Unser Essen wird zur Sicherheit über Nacht mal wieder aufgehängt. Entlang des Bush Stream erklimmen wir den Stack Sattel, den mit 1925 Meter höchsten Punkt des TA, bei wolkenlos blauem Himmel. Die Aussicht über den Tekapo See und bis zum Mt. Cook Gebirge ist atemberaubend. Aufgrund unserer Fotoexesse machen wir kaum mehr Boden gut. Mit einer kleinen Extraschlaufe gehts vom Sattel runter zur Camp Stream Hut. Weil alle anderen Hiker davor zelten, wohl um die lächerliche Gebühr der privaten Hütte nicht bezahlen zu müssen, sind wir mit einem laut schnarchenden Franzosen alleine in der 6er Hütte. Die 3 restlichen Matratzen verschwinden in den Zelten. Wir müssen hier glaube ich nicht betonen, dass wir das voll daneben finden. Beflügelt durch die landschaftliche Schönheit erreichen wir am nächsten Tag gegen Mittag die Strasse und mit sehr viel Autostoppglück Lake Tekapo Village. Die einzige freie Unterkunft, ihr könnt es erraten, ist natürlich ein Platz auf dem Camping.
28.2. bis 3.3.
Wir geniessen unseren verdienten Ruhetag mit Milchkaffee, Sushi und einem Bad im kühlen Seewasser. Wir müssen es erwähnen: Es gibt hier keine Sandflies, es ist geradezu paradisisch! Zwischen den Mahlzeiten versuchen wir uns im Hochladen der Bilder auf Jimdo, das uns wie so oft halb in den Wahnsinn treibt. Aber ihr verzeiht uns bestimmt, wenn die Seite nicht immer ganz auf dem aktuellsten Stand ist. Schliesslich sind wir hier in den Ferien.
Noch bei Anbruch der Morgendämmerung legen wir die Strecke bis zur Kleinstadt Twizel mit dem Velo zurück. Diese haben wir von Cycle-Tours ausgeliehen, inkl. Transport unseres Gepäcks, yeahhhh. Bei Dunst radeln wir dem Kanal entlang. Als sich der Dunst legt, fallen uns fast die Augen aus dem Kopf, die Aussicht auf Mount Cook ist so beeindruckend. Wir kommen an grossen Lachsfarmen vorbei. Neben diesen versuchen unzählige Hobbyfischer mit ihren Angelruten ausgebüxste Exemplare zu erangeln. Mit fast 50 km/h flitzen wir die Strasse Richtung Pukakisee hinunter. Ein Freudenjauchzer können wir uns nicht verkneifen. Wir sausen vorbei an den armen Teufeln, die den Hang mit roten Köpfen hinaufkriechen. Schade haben wir nur 9 Gänge am Velo. Nach nur 4 Stunden erreichen wir unser Ziel und überholen dabei ein britisches Pärchen, welches diese Strecke in zwei ganzen Tagen unter die Wanderschuhe genommen hat.
Da das radeln so Spass gemacht hat, verlängern wir unsere Velomiete und fahren nach unseren Einkäufen im Supermarkt am nächsten Nachmittag weiter bis zum Lake Ohau. Die Fahrt dorthin geht flüssig bis auf die letzten 5 km, wo uns ein harscher Gegenwind fast vom Rad bläst und heftig in die Beine geht. Wir kämpfen eine geschlagene Stunde gegen den Luftwiderstand. Am Aband dinieren wir am gleichen Tisch mit zwei Farmerpaaren, die den Alps2Ocean Cycletrail machen, der von Mount Cook bis zur Küste führt. Wir profitieren von der Gelegenheit mit den Kiwis mal etwas andere Gespräche zu führen als mit den TA-Hikern. Nach einem rustikalen Frühstück starten wir wieder auf Schuhsters Rappen über die nächsten Bergkämme Richtung Otago.
10.2. bis 3.3.
Unsere Highlights
Unsere Lowlights
Spezielles aus der Region
In Canterbury fallen uns die invasiven Tierarten stärker auf. Zum einen sind viele Gebiete von Hasen überrannt und, sorry den Ausdruck, vollgeschiessen worden. Ständig sehen wir die Hoppler und auf den Strassen liegen viele die mit dem motorisierten Verkehr in Kontakt kamen. Obwohl sie niedlich aussehen gilt Meister Lampe hier als "Pest" und geniesst kein hohes Ansehen.
Das Selbe gilt für die aus Australien eingeschleppten Opossums. Von den Nagern in den Hütten haben wir ja bereits berichtet. Dem ganzen "Ungetier" versucht Neuseeland mit Fallen und Gift mehr schlecht als Recht Herr zu werden. Ein Kampf gegen Windmühlen.
Deformation Professionell
Was uns immer wieder nervös und Giorgio fast verrückt macht sind Sirenen. Immer wenn es brennt oder sich ein grösserer Verkehrsunfall ereignet hat, heulen die fest instalierten Sirenen auf den Feuerwachen. Dies wirkt für uns Helveten bedrohlich. Da diese zudem andauernd erklingen sind alle Neuseeländer abgestumpft und die Touristen verwirrt bis eingeschüchtert. Auf dem Zeltplatz weist eine Information darauf hin, dass man sich keine Sorgen machen soll: Falls eine Sirene zu hören ist, gilt es nicht ernst.
Weiter geht es in Otago