Unterwegs auf der Südinsel

Erste Tage: (2.4. bis 7.4.) Invercargill, Slope Point und Waikawa bis Dunedin

 

Eine nette alte Dame fährt uns von Bluff bis zum Flughafen Invercargill. Unsere Chauffeuse ist neugierig und humorvoll. Sie witzelt und lacht ihr tiefes Lachen während der ganzen Fahrt. Am Flughafen steigt sie aus dem Auto und umarmt ums zum Abschied. Wir winken ihr noch auf Wiedersehen. Ab heute sind wir motorisiert unterwegs und das ist irgendwie komisch. In windeseile erreichen wir Slope Point, den wirklich südlichsten Punkt der Südinsel. Dabei lernen wir unser Fahrzeug kennen und gewöhnen wir uns an den Linksverkehr.

Am zweiten Tag fahren wir weiter bis Dunedin. Im Citybackpackpacker müssen wir uns erst wieder an einen anderen Schlag Leute gewöhnen. Am nächsten Morgen besuchen wir die Otago Halbinsel. Dort erkunden wir das einzige Schloss Neuseelands. Ein paar Hippies haben das um 1850 von einem australischen Banker erbaute Anwesen in den 70ern wiederentdeckt und in mühevoller Arbeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Wir sind beeindruckt von der Entdeckungsgeschichte und der Leidenschaft der Besitzerfamilie. Später beobachten wir die am Himmel kreisenden Albatrosse (oder wie heisst die Mehrzahl von Albatros?). Diese königlichen Vögel können eine Flügelspannweite von über 3 Metern erreichen. Und sie können nicht nur fliegen, sondern auch schwimmen, tauchen und gehen. Das ist der Grund, weshalb Giorgio als Kind immer ein Albabatros sein wollte, wenn er ein Tier wählen durfte. Danach spazieren wir entlang der wunderschönen Sandfly Bay. Die Namensgeber sind zum Glück nicht zu Hause. Dafür entspannen sich gerade zwei Seelöwen am Stand. Nach 2 Stunden windigem Wetter haben wir ganz steiffe Glieder. Wir entscheiden, zurück zum Auto zu gehen. Etwas später wäre hier die Chance gut gestanden, einen der raren Blauen Pinguine zu sichten, die an Land kommen. Aber die in den verbotenen Zonen herumstreunenden Touristen verderben uns etwas die Lust darauf.

Am nächsten Tag ist Kultur angesagt. Wir besichtigen den alten Bahnhof, verbrachten Stunden im Siedler Museum Otago und waren im Theater. Also eine volle Ladung Zivilisation.

Mit unserem Auto brausen wir bei strömendem Regen weiter nordwärts. Wir besichtigen auf der Fahrt die berühmten Moreaki Boulders. Riesige Runde Steinbrocken, welche am Strand liegen und um welche sich dutzende von Legenden ranken. In Oamaru besuchen wir die Pinguin Kolonie. Jeden Abend kommen die putzigen Tiere nach dem Fischen zusammen an Land. Eine wirklich süsse Protzession.

Nordwärts

7.4. bis 10.4. (Oamaru bis Marahau)

 

Am Morgen besuchen wir eine kleine Kunstgalerie mit Bildern von Brown? Einem kritischen Geist und wichtigen Maler aus New Zealand. Nach einer langen Fahrt erreichen wir das geschäftige Christchurch. Im kleinen Lyttelton versuchen wir eine Unterkunft zu bekommen, da die Strasse zum geplanten Zeltplatz gesperrt ist. Die meisten Übernachtungsmöglichkeiten sind leider nicht mehr verfügbar oder geschlossen. Alles Nachwehen des Dezembererdbebens. Schlussendlich landen wir nach einer kurzen Odysse durch mehrere Vororte in einer wahren Bruchbude von Backpacker. Immerhin, die Decke ist warm, die Betten ganz Ok und die winzige Küche erfüllt ihren Zweck.

Mit Mel, einer Weggefährtin vom TA, und Mel, ihrer Kollegin, besuchen wir am folgenden Morgen den lokalen Märit in Lyttelton. Wir werden mit frischem Vollkorn-Brot und italienischem Käse belohnt. Nach einem gemütlichen kleinen Spaziergang am Meer (3 Stunden) verbschieden wir uns und fahren nach Hanmar Spring. Dabei nehmen wir zwei asiatische Hichhikerinnen mit. 

In Hanmar haben wir bereits auf dem Trail für mehrere Tage Halt gemacht und es ist schön wieder hierher zurück zu kommen. Wir freuen uns über das schöne Hostel und die Gastfreundschaft der Besitzer. Und natürlich gibt es auch diesmal ein Wohlfühlprogramm. Spazieren im Wald zum Wasserfall, plantschen in den Hotpools und relaxen im Ensuite Zimmer. Am nächsten Tag nehmen wir bei schönstem Wetter etwas Weg unter die Räder und fahren bis Marahau, dem Tor zum Abel Tasmen National Park.

Abel Tasmen

11.4. bis 12.4.

 

Mit Vollmond und wunderschönem Sternenhimmel schlafen wir ein, um fit zu sein für die nächsten beiden Wandertage. Mit dem Wassertaxi jetten wir in etwas mehr als einer Stunde bis Onetahutti Beach. Von dort laufen wir in windeseile, so ohne Gepäck sind wir zu unserer eigenen Überraschung wirklich doppelt so schnell wie auf den Wegweisern angegeben, bis zur Anchorage Hütte. Am Ende kürzen wir über den Strand ab und lächeln nostalgisch über die nassen Füsse. Wir erreichen unser Ziel bereits um 15h und vor dem grossen Regen. Der hat es in sich. Es schüttet in den nächsten 48 Stunden in Strömen. Die Überreste vom Hurrican Cook ergiessen sich über ganz Neuseeland. In voller Regenmontur wandern wir am nächsten Morgen die letzten 13 km zurück zu unserem Auto und dem gemütlichen Cafe.

Rückkehr und Überfahrt

12.4. bis 14.4.

 

Es fühlt sich leicht unwirklich an, die Orte wiederzusehen an denen unsere Reise begann. Immer noch mit nassen Schuhen erreichen wir die Pear Orchid Lodge und freuen uns auf unser Wiedersehen mit Timo. Dieser überrascht uns mit einem free upgrade ins beste Zimmer der Lodge mit Ensuite und Balkon. Wir geniesen den Abend und zum Frühstück Timo's selbstgebackenes Brot. Am nächsten morgen durchfahren wir Havelock, mit Kaffeestopp, und erreichen schliesslich Picton. Im Fat Cod Backpacker haben wir gerade noch Plätze im 10er Schlag bekommen.  Alles ist so überfüllt da nicht klar ist, ob beim angesagten Sturm die Fähren übersetzen können. Hurrican Cook lässt dann auch kübelweise Regen vom Himmel prasseln. Wir gönnen uns einen Film in der TV Lounge. Im Zimmer schnarcht einer fröhlich die ganze Nacht durch.

Beim Frühstück treffen wir zu unserer Überraschung den Tramping Club Wellington wieder. Diesen haben wir vor Monaten und beim grössten Sauwetter in der Old Man Hut in den Richmond Ranges getroffen. Sie scheinen kein gutes Händchen beim wählen ihrer Ausflugsdaten zu haben. Wir lachen mit ihnen bei Toast und Müesli darüber.

Die Überfahrt auf der gewaltigen Fähre namens Aratere ist dann erstaunlich ruhig, die Wellen sind nur 3 Meter hoch und kaum zu spüren. Wir verbleiben und geniessen die gut 3 Stunden auf dem Observationdeck im Freien. Es belohnen uns sogar einige Sonnenstrahlen in der Mitte des Cookstreet. Ohne Probleme erreichen wir Wellington. Damit starten wir unseren Aufenthalt auf der Nordinsel von Neuseeland.