Te Anau und Abstecher in die Milford Sounds

21.3. bis 23.3.

 

In Te Anau unternehmen wir neben unseren üblichen kulinarischen Höhenflügen in Restaurants und Cafes unseren ersten grösseren Side-Trip. Es ist toll, einfach im Bus sitzen, dem Fahrer zuhören und auf dem Schiff die Aussicht geniessen, grandios. Wir buchen im Internet last Minute für den nächsten Mittag. 

Wir amüsieren uns beim ersten Fotostopp, dieser gilt dem neuseeländischen "Büschelgras". Wir sehen eine ganze weite Ebene voll, kaum zu glauben. Unsere Mitfahrer, vorwiegend ältere Touristen aus Indien  China und Japan, posieren und fotografieren dieses fröhlich. Wir fühlen uns etwas fehl am Platz und fast etwas befremdet. Das Zeug wächst auf unserem Trail überall in Unmengen, reicht teilweise über unsere Köpfe hinaus und ist furchtbar um darauf zu wandern.

Die Schluchten und Buchten in Milford sind jedoch eindrücklich, Wahnsinn. Diese reichen vom Meeresspiegel bis hinauf zu verschneiten Gipfel auf über 2000 Meter. Die Fjordlandschaft wurde vor langer Zeit von gewaltigen Gletschern geformt, welche bis heute alle verschwunden sind. Am Anfang der Bucht liegt der riesiger Hafen und ein geschäftiger Flugplatz. Der Rest von Milford ist jedoch unberührt. Massentourismus von seiner besten Seite.

Wir geniessen den Ausflug in vollen zügen.

Te Anau bis Tuatapere

23.3. bis 26.3.

 

Es geht durch wuchernden Wald, Tussocks, matschige Sumpfböden, noch mehr Wald, steile Hügelzüge und über Farmland (Schafherden soweit das Auge reicht). Eigentlich haben wir das alles schon irgendwo gesehen. Trotzdem finden wir es toll! Die rund 63 km nehmen vier Tage in Anspruch. Wir fordern uns noch einmal ein bisschen heraus und machen eine Tagesetappe von 9 Stunden Marsch. Auf den Wegweisern wird dafür 16 Stunden angegeben. Trotz des schwierigen Terrains täuscht uns unsere Einschätzung nicht und wir schaffen die Strecke in der von uns einberechneten Zeit. Am Ende der Etappe geraten wir in den einmal jährlich stattfindenden Mt. Linton Berglauf. Verschwitzte und erschöpfte Läufer und Velofahrer radeln, rennen, gehen und humpeln uns entgegen den Hang hinauf. Wir feuern munter alle an: "Hopp, Hopp, Hopp, well done..." Die meisten freuen sich darüber und wir geniessen das unerwartete Spektakel auf dem sonst wohl sehr gewöhnlichen Feldweg. 

Übernachten können wir in einer gemütlichen Kabine auf der Birchwood Farming Station. Nur die Betten knartzen etwas und es hat Mäuse, aber auch einen schicken Kamin, eine warme Dusche, eine Waschmaschine und sogar Frottiertücher... Alles was das Hicker-Herz begehrt.

Am Morgen versuchen wir von hier aus einen "Hitch" zu bekommen. Für heute ist starker Regenfall angesagt. Nach über einer Stunde Wartezeit in Regen und Kälte ohne Erfolg rufen wir die Vermieter unserer nächsten Unterkunft im 40 km entfernten Tuatapere an. Diese holen uns netterweise hier ab. Unterwegs laden wir noch die anderen 2 erfolglosen kanadischen Hitchhiker auf, die wir immer wieder getroffen haben. Sie sind sehr dankbar. Das Ende rückt nun langsam näher, nur noch 120 km liegen vor uns. Ein Katzensprung. Wir werden deshalb schon fast nostalgisch.

Haushalten in Tuatapere

26.3. bis 28.3.

 

Das von uns organisierte günstige Airbnb im 500 Seelen Kaff Tuatapere, ein Tipp unserer Gastgeberin in Arrowtown, entpuppt sich als luxiuriöse Villa mit 7 Zimmern (alle für uns alleine). Badewanne, Abwaschmaschine, TV-Lounge, free range eggs, selbst geimkerter Honig und der oben genannten Abholdienst sind mit inbegriffen. Das Schnäppchen des Jahrhunderts. Wir sind überwältigt. Unsere Gastgeber Paula und Dean sind zudem die Gastfreundlichkeit in Person. Paula nimmt uns sogar mit auf einen Spaziergang am Gemstone Beach. 

Spaceweather.com prognostiziert in den nächsten 72 Stunden moderat solare Aktivitäten (G2), mit einem Auraora KP Wert von 6 für alle im Detail Interessierten. Von Tuatapere sehen wir am fernen Horizont die Südlicher als grünliches Glimmen am Nachthimmel. Wir hoffen nun darauf vom Hügel in Colac Bay aus die Südlichter noch einmal und etwas klarer zu sehen, da zusätzlich Neumond ist.

 

Colac Bay bis Bluff

28.3. bis voraussichtlich 1.4.

 

Wir übernachten in einem wunderschönen Zimmer im Dorf am Meer (Colac Bay). Die Sicht vom Mt. Ocara ist unglaublich. Mit der Erlaubnis des Farmers Gordon erklimmen wir durch Kuhherden die 200 Höhenmeter. Ausgerüstet mit allen warmen Kleiden, die wir haben plus warmem Schlafsack und ein paar Bierchen beziehen wir kurz vor Sonnenuntergang Stellung auf einem Felsen am höchsten Punkt des Hügels. Nach einem eindrücklichen Wolkenspektakel in der Dämmerung, ist uns das Wetter schlecht gesonnen. Dicke Wolken und Nebel nehmen uns alle Sicht. Die Südlichter bleiben uns heute Nacht verborgen. Der Abend unter freiem Himmel ist trotzdem ein Erlebnis. Insbesondere der Abstieg im Dunkeln über die Felder. Die Kuhfladen sind im Dunkeln nahezu unsichtbar.

Heute beginnt der Final Countdown, die letzten 80 km am Strand entlang. Here we come. 

Der erste Teil bis Riverton verläuft dem Strand entlang. Es ist etwas kühl, da wir eine private kleine Wolke für uns alleine haben. Deren Dunst begleitet uns für 3 Stunden entlang der Küste. Neben den üblichen Schafen und Kuhherden sehen wir auch mehrere merkwürdige Seevögel und drei Delphine. Diese hüpfen sichtlich vergnügt in Ufernähe herum und geniessen den hohen Wasserstand bei Flut. 

Am nächsten Tag geht es von Riverton 25 km am Strand und wenige Kilometer dem Highway entlang bis Invercargill. Für Stunden begleitet uns das Rauschen des Ozeans. Aufgrund der vielen Wellen klingt das ähnlich wie ein Dampfabzug.

Nach 2 Stunden Wandern über Sand, Muscheln und Steine erschreckt uns ein gurgelndes Grunzen fast zu Tode. Das vermeintlich vor uns liegende Stück Schwemmholz entpuppt sich als eine in der Sonne liegende Robbe. Was macht die wohl hier so alleine am Strand?

Auf den letzten Metern müssen wir uns noch etwas sputen, da uns die steigende Flut immer mehr auf die Pelle rückt. Wir möchten keine nassen Füsse. Am Ende des Strands gibts endlich Lunch und im 2 km entfernten Cabbage Tree Restaurant noch eine frische Glace zum Dessert.

In der "Grossstadt" Invercargill pausieren wir zum letzten Mal. Wir beabsichtigen ohne Regen in Bluff einzulaufen. Wir geniessen das Stadtleben, senden den Notfallsender zurück und machen uns Gedanken über die Zeit nach dem TA.

Der TA folgt dem Stadtrand. Der Weg folgt einem sumpfigen Renaturierungsgebiet. Das Sumpfgebiet führt uns vorbei an Fabriken und der Kläranlage. Der Geruch ist jedoch nur für kurze Zeit etwas streng. 

Nach einem kurzen Stop am Ortsschild durchqueren wir die Ortschaft bis zum Sterling Point. Am "berühmten Wegweiser" am Ende der Südinsel beenden wir unseren ersten "Long-Hike" mit einer Fotosession, einem Glas Champagnier und einem Lächeln auf den Lippen. The End. Das war's, kaum zu glauben.

Zusammenfassung und Gedanken zum Te Araroa

6.1. bis 1.4.

 

Nun da wir sicher, zufrieden und auch ein wenig traurig am Ziel angelangt sind ist es Zeit unsere Erinnerungen etwas zu ordnen.

 

Highlights Southland

  • Wiedersehn mit alten Bekannten
  • Milford Sounds
  • Südlichter
  • Airbnb Villa in Tuatapere
  • Abend auf dem Ocara Hill

 

Lowlights Southland

  • Highway Strecke vor Bluff
  • Aussicht am Abend vom Ocara Hill

 

Besonderes

Wir sind etwas erschlagen nach unserer Ankunft. Wir haben den Trail manchmal verflucht, zum Teil gelobt, gelegentlich bestaunt und oft bewundert. Der Weg war von locker bis mühsam und von unscheinbar bis atemberaubend. Es war insgesamt ein tolles Abenteuer. Und jetzt... Was nun?

 

Unsere lustige kleine Reisestatistik

  • Gesamtdistanz: 1298 km
  • Gesamtdauer der Wanderung: 86 Tage
  • Km pro Tag total: 15.1 km
  • Ausgelassene Stücke: Dalton River Track (23 km), St. Arnauld Highway (9 km), Desolation Track (40 km), Harper Road (22 km), Longwood Forrest (53 km) = Total ca. 150 km
  • Ruhetage: 1 Tag (Nelson), 3 Tage (Hope), 1 Tag (Old Man Hut), 4 Tage (St. Arnauld), 1 Tag (Upper Traverse Hut), 4 Tage (Hanmar Spring), 1 Tag (Kiwi Hut), 1 Tag (Lake Colridge), 3 Tage Methven, 1 Tag (Lake Tekapo), 1 Tag (Queenstown), 1 Tag (Glenorcy), 1 Tag (Te Anau), 1 Tag (Tuatapere), 1 Tag (Invercargill) = Total 25 Tage
  • Mit dem Velo gefahren: 55 km (Tekapo bis Twizel), 32 km (Twizel bis Lake Ohau) = 87 km
  • Km pro Tag ohne die Ruhetage und ausgelassene Strecke: 18.9 km
  • Maximale Weglänge: 39 km (Ann Hut to Boyle Village)
  • Höchster Punkt: Stag Saddle Ridge (ca. 2000 Meter)
  • Schlechteste Laune: Flood Track bis Morrison Footbridge
  • Lieblingsstück: Stag Saddle (Giorgio), alle mit Aussicht (Sarah)
  • Schönste Hütte: Upper Traverse Hut (Giorgio), kann sich nicht an den Namen erinnern (Sarah)
  • Dümmster Spruch: schnöpfu = Wosch n Öpfu (Giorgio), Sarah
  • Anzahl gelesene Bücher: 7 und 2/3 (Giorgio), nicht so viele (Sarah)
  • Lieblingsessen: BBQ in St. Arnauld (Giorgio), Musselpot Havelock (Sarah)
  • Sandfly Stiche: zu viele
  • Zur Strecke gebrachte Sandflies: unzählige
  • Unternommene Sidetrips: 2 (Mildord Sounds und Gemstone Beach)

 

Unsere wichtigsten Begegnungen und Reisegefährten aud dem TA

  • Mel die liebenswürdige englisch sprechende Deutsche
  • Bryonie die Burgerkönigin aus England
  • Dan der ruhige Tabakgeniesser aus Canada
  • Owen der Bücherwurm aus Canada
  • Küllike die Plaudertasche aus Estland
  • Tomas der Filmemacher aus der Slowakei
  • Heather&Chris die Zeltfreunde aus Grossbritanien